::: Projekte

  • Arne Jansen Trio

    CD Younger Than That Now

    Veröffentlichung 10/2008
    EAN/UPC: 705304452028
    Traumton CD 4520

    Brauchen starke Musiker einen Nachwuchs-Bonus? Der Berliner Jazzgitarrist Arne Jansen beweist: Nein! Jeder deutsche Jazzmusiker unter 45 wird heute als Nachwuchs gepriesen, als sei das eine Entschuldigung für mangelnde Eigenständigkeit. Arne Jansen hat derartige Rechtfertigungsversuche nicht nötig. Im Rock oder Pop würde er mit über 30 sowieso schon zum alten Eisen gehören. Warum nicht im Jazz dieselben Maßstäbe anlegen? Arne Jansen ist ein Gitarrist, der nicht nur ganz genau weiß, was er sagen will, sondern auch präzise die Mittel kennt, mit denen er dies umsetzt. Ein abenteuerlustiger Jazzprofi, der die Routine nicht über die Neugier siegen lässt, aber dem Experiment keinen Vorrang gegenüber der Geradlinigkeit einräumt.

    Im Arne Jansen Trio treffen sich alte Bekannte. Schon bevor Bassistin Eva Kruse und Schlagzeuger Eric Schaefer sich mit Michael Wollny zu der Band [em] zusammenfanden, die zu Recht als Vorzeige-Trio des deutschen Jazz gilt, spielten sie mit Jansen. Musikalisch betritt das Arne Jansen Trio trotz der Zwei-Drittel-Übereinstimmung mit [em] jedoch eine völlig andere Welt, die man flüchtig mit Harmonie statt Reibung beschreiben könnte. „Bei dem Trio stehen stets meine Stücke im Vordergrund, die wir zusammen bearbeiten. Ich schreibe zwar die Stücke, lasse den beiden anderen Musikern jedoch genug Raum, sich einzubringen. Mir ist es extrem wichtig, dass jeder für sich einen Part findet, der ihm das Gefühl gibt, jetzt trifft er irgendwas. Ich will aus Eva und Eric das Eigene rauskitzeln, das nur sie einbringen können. Schon beim Schreiben eines Stückes versuche ich etwas zu finden, das den beiden gerecht wird. Im Studio setzen wir diesen Prozess fort. Dabei passiert es schon manchmal, dass meine Vorstellungen im Proberaum komplett umgeschmissen werden.“

    Das im Jazz verbreitete Höher, Schneller, Weiter ist nicht Arne Jansens Ding. Erst am Ende der Arbeit an „Younger Than That Now“ merkte er, dass kein Stück dabei war, bei dem er für sein Gitarrespiel bewundert werden würde. Wenn das Trio überhaupt einen Superlativ bedient, dann den des exzessiven Understatements. Doch die Musik ist authentisch und ebenso alltagskompatibel wie feierlich. Der eine oder andere Jazz-Purist mag das Album mangels Frickelei trivial finden, doch damit können Jansen, Schaefer und Kruse gut leben. Das Trio wendet sich an den Jazzhörer mit offenem Geist, für den Musik mehr ist als die Bestätigung zementierter Erwartungshaltungen.

    Jansens große Stärke ist sein Mut zur einfachen Melodie. Unüberhörbar ist eine starke Affinität zum Rock. Viele Stücke ähneln eher instrumentalen Rocknummern als Jazzstücken. Auch Kruse und Schaefer gehen ungleich straighter zur Sache, als man es von anderen Formationen kennt. So mag es auch nicht weiter verwundern, wenn man im Jazz vergeblich nach Vergleichen sucht, mit denen man die Musik des Jansen Trios vergleichen könnte. Historische Gleichgesinnte finden sie bestenfalls in dem Trio Gateway mit John Abercrombie, Dave Holland und Jack DeJohnette. Ohne ihren Jazz-Background zu verleugnen, erfanden Gateway eine stilistisch neutrale Instrumentalmusik, die unter Einbeziehung von Jazz-Versatzstücken ihre Spannung allein aus sich selbst bezog. Dasselbe trifft auf das Arne Jansen Trio zu.

    Bei aller stilistischen Offenheit hat Arne Jansen die Jazzgitarre absolut verinnerlicht. Pat Metheny gehörte zu seinen Mentoren, John Scofield hat er nach eigenem Bekunden fanatisch verehrt, und aus seinem Respekt für Bill Frisell macht er keinen Hehl. Doch diese Vorbilder haben auf „Younger Than Now“ nicht mehr viel Raum. Viel wichtiger sind dem Gitarristen Bands und Musiker wie Radiohead, Joni Mitchell oder Bob Dylan, dem er mit seinem Stück „Rain On My Carpet“ seinen Tribut erweist. Auch der Albumtitel „Younger Than That Now“ geht auf den Dylan-Song „My Back Pages“ zurück, in dem es heißt „Oh, I was so much older then, I’m younger than that now“. Mit diesem Ausspruch und Dylans ganzer Haltung verbindet sich für Jansen die Maxime, komplexe Dinge sehr einfach klingen zu lassen. „Früher habe ich sehr komplizierte Musik geschrieben, die dann auch keiner hören wollte. Die Stücke des neuen Albums klingen teilweise sehr einfach, aber ich habe lange daran gearbeitet und versucht, sie auf ihren Kern zu reduzieren. Von Bob Dylan habe ich gelernt, dass die einfachsten Dinge oft die größte Tiefe haben. Aber diese Einfachheit muss man sich erst einmal erarbeiten.“

    Ein weiterer Bezugspunkt ist für Arne Jansen der japanische Schriftsteller Haruki Murakami, der in Deutschland bestens durch Bücher wie „Hard Boiled Wonderland“, „Kafka am Strand“ oder „Mister Aufziehvogel“ bekannt ist. Ihm ist nicht nur ein Track gewidmet („The End Of The World“), sondern die Titel vieler Stücke beziehen sich auf Murakami-Zitate- oder Gedanken. Der Gitarrist schätzt an dem Japaner die Arbeitsweise, von einer winzigen Idee auszugehen, die nur eine Stimmung wiedergibt, und daraus im Rückgriff auf das Unterbewusstsein ein ganzes Geflecht von Beziehungen zu generieren. Jansen selbst arbeitet ganz ähnlich. Sowohl im Rahmen des Albums wie auch im Kleinen in jedem einzelnen Stück beginnt er mit einer musikalischen Atmosphäre, die wie eine Knospe aufgeht und sich dann in einer vollen Blüte entfaltet. Ein ebenso poetisches wie logisches Werden und Vergehen, das man als Hörer mit unterschiedlichsten Präferenzen leicht seinem eigenen Rhythmus anpassen kann.


    Info Arne Jansen Trio - CD Younger Than That Now

     

    Info Arne Jansen Trio - CD My Tree

     


  • Firomanum

    SCOPE

    Eine Band ohne Leader? Ist das im Zeitalter der Schnellebigkeit überhaupt überlebensfähig? Noch dazu, wenn alle Bandmitglieder bereits in vielen erfolgreichen Projekten mitwirken?

    Die Hälfte des Quartetts Firomanum lebt in Köln, die andere in Berlin. Seit ihrer Gründung im Jahr 2000 arbeiten die vier auf demokratischer Basis: Jeder schreibt für jeden, alle spielen für alle, zusammen sind sie Firomanum. "Warum wir immer noch so zusammen spielen? Weil wir wahnsinnig viel Spaß haben, uns zu viert zu treffen! Natürlich macht die Musik ihren Teil aus, aber eben auch das Freundschaftliche." beobachtet Bassistin Eva Kruse. Saxofonist Niels Klein empfindet die Bandstruktur ohne Leader als willkommene Ergänzung gegenüber der üblichen Rollenverteilung: "Wir Vier stehen in einem positiven Spannungsverhältnis zueinander, sowohl musikalisch als auch menschlich und es macht einfach Spaß sich damit auseinanderzusetzen." Diese Kräfteverteilung fügt sich bei Firomanum zu einem ausgewogenen Bild zusammen. In allen stecken die Funken, die der Bandname versprüht. Und sie funkeln viel versprechend. Nach ihrem erfolgreichen Debütalbum "Firomanum" im Frühjahr 2003 (schoener hoeren) legen sie nun souverän ihr zweites Album nach: SCOPE.

    SCOPE: Ein Umriss, ein Rahmen, ein Spielraum, eine Perspektive. Der Begriff beschreibt die gesamte Reichweite der Firomanen.

    SCOPE fegt durch die Gehörgänge. Mal ein bißchen rockig, mal melancholisch, immer geerdet, ungewöhnlich vertraut, sicher und entspannt. Kantige Linien und klare Grooves heißen den Hörer willkommen. So bahnen sich Niels Klein (Saxofone, Klarinetten), Arne Jansen (Gitarre), Eva Kruse (Bass) und Nils Tegen (Schlagzeug) den Weg ins Innere Ohr.
    Arne Jansens "Go straight" zieht geradewegs hinein ins Geschehen. "The mean spider of Tandorine", eine Komposition von Eva Kruse, zählt zu den absoluten Höhepunkten des Albums. Mit stiller und hoher Dichte spinnt sich über fesselnde Minuten hinweg ein bizarres Netz an Rhythmen und Klangfarben, bis sich die Musiker darauf schillernde Wege bahnen. Eine Berg- und Talfahrt, die sich anschickt auch die hintersten Hör-Nischen zu beschallen. _Nils Tegens "Firomatie" lässt keine Zweifel daran , dass die meisten der Stücke speziell für diese Band mit heisser Nadel gehäkelt wurden. In seiner treibenden Art findet es die Balance zwischen Traditionellem und wohldosierten Unvorherhörbarkeiten. _Zeit für Ruhe - und für die Geräusche der näheren Umgebung:_Niels Kleins Stück "Frames" entwirft ähnlich einem zeitgenössischen Tryptichon drei kühle, architektonische Klangbilder und plaziert sie nebeneinander. Die "Rahmen" werden dabei durch den Einsatz von zwei gleichzeitig gespielten Klarinetten erweitert. "Harmonic Square" von Eva Kruse zeigt sich ähnlich kubistisch sperrig._Die musikalischen Gestalten namens 'Ranterkant' und 'Zavar' entspringen der Vorstellungskraft des Schlagzeugers, Pianisten und Komponisten Nils Tegen. Immer wieder tauchen sie in seinen Werken auf - und so findet ihre Geschichte in "Zavar's neue Farben" und "Der Schnatt und Ranterkant als Herren im Zenit" eine Fortsetzung der Titel des Debütalbums.

    Abwechslungsreich stellt die Formation Firomanum ihre Songs aneinander gegenüber, eine Erzählung fließt in die andere. Die vier Charaktere der Band verdichten sich zu einer gemeinsamen Geschichte. Mal konzeptionell, dann wieder frei, mal zurückhaltend und mit sprödem Jazzcharme, aber immer etwas eigen. Und die angenehm avantgardistischen Anklänge lassen stets eine gesunde Prise Humor mitschwingen.

    So ganz will die firomanische Musik die Gehörgänge nicht verlassen. Bereits ein erstes Hören hinterläßt Spuren - von da an will man mehr. Schon vor dem Erscheinen des ersten Silberlings heimste das Quartett Lob ein: "Eine erfrischende Neuentdeckung bei Jazz Baltica", bemerkte der Deutschlandfunk 2002. Die Kieler Nachrichten sind angetan: "Mit einem abwechslungsreichen, streckenweise sehr progressiv tönenden und leider viel zu kurzem Konzert gab die Formation Firomanum nicht nur ein willkommenes Intermezzo, sondern auch eine beachtliche Visitenkarte ab." Nun zücken sie ihre Karte erneut. Mit "Scope" - in all seinen Bedeutungen.

    Es spielen, wirken und komponieren, nach wie vor:

    Niels Klein (Saxophone und Klarinetten)
    Arne Jansen (Gitarre)
    Eva Kruse (Kontrabass)
    Nils Tegen (Schlagzeug, Papiertrompete)

    Info Firomanum

     

  • Katja Riemann & Arne Jansen
    Friedensreich - eine musikalische Lesung

    Was ist los in Schrebergärten, Boutiquen, im Theater, unter Journalisten und Ökos, in der Bahn und anderswo? Im Osten, wie im Westen?
    Vor ungefähr einem Jahr hatte Katja Riemann die Idee zu diesem Abend. Es galt in den Proben heraus zu bekommen, ob sich ohne dramaturgische Krücken erzählen ließe, worüber sie phantasieren wollte: über diese Merkwürdigkeit und Sperrigkeit im täglichen Umgang mit den Bewohnern dieses Landes.
    Unter zu Hilfenahme der Texte von Sibylle Berg und der Musik von Rammstein befassen sich Katja Riemann und Arne Jansen mit dem Thema Deutschland. Dass dabei freiwillig oder unfreiwillig Komik entsteht, bedarf keiner Erklärung, dass darüber hinaus Sehnsucht und die Fähigkeit zur Schwermut kolportiert wird, ebenfalls....

    Booking: ertu@tomprodukt.de
    www.tomprodukt.de/katja-riemann

  • Nils Wülker Group "6-Tour"

    ›6‹ heißt das neue Album (VÖ: Januar) von Nils Wülker – wie die Anzahl seiner veröffentlichten Alben und die Zahl der Musiker auf seinem neuesten Werk. Pragmatisch, prägnant und unprätentiös, unverkennbar Nils Wülkers Handschrift. Einerseits.
    Doch musikalisch überrascht das Album: Es groovt, funkt und rockt. Eine vibrierende Mischung aus Kraft und Leichtigkeit – ob das noch Jazz ist? »Ich weiß es nicht. Jazz ist mein Background, und das Album atmet sicher den freiheitlichen Geist dieser Musik. Aber: Darf man das?, darf man das nicht?, was sagt die Jazztheorie? – diese Fragen haben mich noch nie umgetrieben. Mich interessiert nur: Ist die Musik intensiv? Dann packt sie mich.«
    Mit ›6‹ verlässt Nils Wülker die musikalische Linie der Vorgängeralben, ohne seine eigene zu verlieren oder gar zu verleugnen. Die Aufnahmen sind das Ergebnis einer organischen Entwicklung: »Ich habe zuletzt live einfach großen Gefallen daran gefunden, es richtig krachen zu lassen, und der Band ging es genauso.«
    Für das neue Album musste also etwas anderes her, roher und direkter als bisher. Freuen wir uns also auf achtzehn energiegeladene Konzertabende mit Nils Wülker und seiner Band.